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Riester-Rente ist Privatisierung des Elends

27. September 2011  Allgemein

Matthias W. Birkwald

„Wer auf die Riester-Rente als Instrument zur ArmutsbekĂ€mpfung setzt, betreibt eine Privatisierung des Elends. Mit der Riester-Rente wird Altersarmut nicht bekĂ€mpft, sondern erzeugt. Die aus Steuermitteln finanzierten Subventionen in Milliardenhöhe fließen in die Taschen der Versicherungsunternehmen und fehlen bei der zielgenauen Armutsvermeidung in der Rente. Effektive Armutsvermeidung muss auf dem Arbeitsmarkt beginnen, ĂŒber ein den Lebensstandard sicherndes Rentenniveau fortgesetzt und durch eine echte, fĂŒr alle offene, solidarische Mindestrente abgerundet werden“, erklĂ€rt Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, zum Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Riester-Rente verstĂ€rkt zur BekĂ€mpfung von Altersarmut zu nutzen. Birkwald weiter:

S. Hofschlaeger  / pixelio.de

S. Hofschlaeger / pixelio.de

„Hinter der vermeintlichen Erfolgszahl von knapp 15 Millionen Riester-VertrĂ€gen verbergen sich keineswegs ebenso viele Menschen. MehrfachvertrĂ€ge werden einfach mitgezĂ€hlt. Auf meine Nachfrage konnte Frau von der Leyen nicht einmal sagen, wie viele Menschen potenziell ĂŒberhaupt riestern könnten. Wissenschaftliche Studien gehen von 36 Millionen Berechtigten aus. Demnach riestern also weniger als die HĂ€lfte, maximal 40,6 Prozent, der potenziellen Sparer. Und eine zumindest theoretische Chance, die VersorgungslĂŒcke zu schließen, haben auch nur jene, die die volle Zulagenförderung erhalten. 2009 traf dies gerade einmal auf 4,7 Millionen Personen bzw. 13 Prozent der potenziellen Riester-Sparenden zu. Und selbst diese kleine Gruppe profitiert kaum von den staatlichen Zulagen, denn laut Öko-Test (Heft 6/2011) fressen die Vertragskosten fast die gesamten Zulagen auf.“

MillionÀre besteuern!

12. September 2011  Allgemein

Michael Schlecht

Die Schuldenkrise und der hohe private Reichtum sind zwei Seiten derselben Medaille: Allein das private Geldvermögen in den Staaten der Eurozone betrĂ€gt ĂŒber 12 Billionen Euro, die gesamte Staatsverschuldung belĂ€uft sich auf knapp acht Billionen Euro. Eine einmalige Krisenabgabe fĂŒr Superreiche zur Abschöpfung eines Drittels ihres Geldvermögens wĂŒrde die Staatsverschuldung auf einen Schlag um die HĂ€lfte verringern.

Uwe Steinbrich / pixelio.de

Uwe Steinbrich / pixelio.de

In Deutschland sind die VerhĂ€ltnisse noch krasser: Die Staatsverschuldung betrĂ€gt zwei Billionen Euro, das Netto-Geldvermögen 3,3 Billionen Euro. Das gesamte Netto-Vermögen der privaten Haushalte einschließlich Sachvermögen belĂ€uft sich auf mehr als acht Billionen Euro. Dabei ist das Vermögen hoch konzentriert: Die reichsten zwanzig Prozent der Bevölkerung verfĂŒgen ĂŒber mehr als 80 Prozent des Vermögens. Zwei Drittel der Bevölkerung haben hingegen kein oder nur ein sehr geringes Vermögen.

Kein Wunder, dass selbst Reiche auf die Idee kommen eine höhere Besteuerung fĂŒr sich selbst zu fordern. Auch in Deutschland fordert die Initiative „Vermögende fĂŒr eine Vermögensabgabe“ seit Jahren die WiedereinfĂŒhrung der Vermögenssteuer. Die Reichen werden in Deutschland verwöhnt; gemessen an der Wirtschaftsleistung werden auf Eigentum weniger Steuern als in den USA oder Frankreich entrichtet. Aber Merkel & Co wollen nicht auf die Reichen hören. Sie sparen lieber den Staat arm.

In Frankreich fĂŒrchtet PrĂ€sident Sarkozy die Wut der Bevölkerung. Er plant daher eine befristete Reichenabgabe von drei Prozent auf Jahreseinkommen von mehr als einer halben Million Euro. Die Steuer soll jĂ€hrlich 200 Millionen Euro bringen. Ein schlechter Scherz. Zum Vergleich: In Frankreich leben laut der Bank Merrill Lynch fast 400.000 VermögensmillionĂ€re.

Selbst der französische Geldadel ist entsetzt. Jean Peyrelevade, MiteigentĂŒmer der Pariser GeschĂ€ftsbank Leonardo sagt: „Mit einer symbolischen Handlung will man das brave Volk glauben machen, dass die Reichen zahlen mĂŒssen. “

In Italien hat der Mafia-Pate Berlusconi erst die versprochene SolidaritĂ€tsabgabe fĂŒr Gutverdiener abgeschafft. Nun soll es auf Druck der Öffentlichkeit doch eine Reichenabgabe wie in Frankreich geben. Sie betrifft allerdings weniger als 4000 Personen von mehr als 41 Millionen steuerpflichtigen Italienern. Die Mehrwertsteuer fĂŒr die breite Bevölkerung wird hingegen erhöht. Der Pate lĂ€stert nicht nur ĂŒber sein „Scheiß-Land“ (O-Ton Berlusconi), sondern verkĂŒndet stolz, er habe der Bevölkerung geschworen ihnen „nie in die Tasche zu greifen“. Er meinte wohl nur die Reichen.

SchÀubles Rechenspiele sind der Gipfel der UnverschÀmtheit

12. September 2011  Allgemein
Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

„Die Rechenspiele des Bundesfinanzministers sind der Gipfel der UnverschĂ€mtheit: WĂ€hrend das Renteneintrittsalter von 65 auf realitĂ€tsfremde 67 Jahre angehoben wird, lĂ€sst Wolfgang SchĂ€uble in einem ‚TragfĂ€higkeitsbericht‘ bereits die Rente ab 69 durchrechnen. Auch wenn es derzeit angeblich keine konkreten PlĂ€ne fĂŒr eine weitere VerlĂ€ngerung der Lebensarbeitszeit gibt, zeigen solche Gedankenspiele, worauf die Rentenpolitik von Schwarz-Gelb letztlich hinauslĂ€uft: Malochen bis zum Tode“, kritisiert die saarlĂ€ndische Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Yvonne Ploetz. Die Abgeordnete weiter:

„Gigantische RentenkĂŒrzungsprogramme, Zerstörung der Rentenformel, Rentner in Mini-Jobs, Altersarmut – diese Schlagworte beschreiben das schreckliche Schicksal großer Teile der Ă€lteren Bevölkerung. Auch bei der Jugend hat sich herumgesprochen, dass der Merksatz ‚Wer in der Jugend einen Baum pflanzt, kann im Alter in dessen Schatten sitzen‘ schon lange nicht mehr gilt. Zehn Prozent Jugendarbeitslosigkeit, 38,5 Prozent der Jugendlichen in atypischer BeschĂ€ftigung und 23 Prozent Jugendarmut fĂŒhren jungen Menschen vor Augen, was die Ausweitung der Lebensarbeitszeit durch die Rente erst ab 67 oder sogar erst ab 69 und die Zerstörung der alten Rentenformel bedeuten: Keine Sicherheit, keine Planbarkeit, keine Zukunft.

Jung und Alt haben ein Recht auf Zukunft. DIE LINKE kĂ€mpft fĂŒr eine Rente, die den Lebensstandard sichert und zuverlĂ€ssig vor Armut im Alter schĂŒtzt, sowie fĂŒr ein realistisches Renteneintrittsalter. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro, ein gutes Rentenniveau, eine Mindestrente von mindestens 850 Euro und eine klare Absage an die Rente erst mit 67 oder 69.“