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Aufwind stÀrken, nicht Ignoranz

14. Mai 2012  Allgemein

Petra Pau

Angesichts mehr kleinerer Parteien in Parlamenten sollte die 5-Prozent-Sperrklausel erhöht werden, empfiehlt Alt-BundesprÀsident Roman Herzog. Dazu  erklÀrt Petra Pau, Mitglied im Vorstand der Fraktion DIE LINKE und im Innenausschuss:

„Roman Herzog denkt Demokratie von der Regierung her, nicht von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern. Das wundert mich. Schließlich war er Verfassungsrichter. Er beklagt, dass die einst großen Parteien immer weniger und kleinere Parteien immer hĂ€ufiger Zuspruch finden. Er fragt aber nicht, warum das so ist? Die GrĂŒnen gewannen, weil die ökologische Frage ignoriert wurde. DIE LINKE erstarkte, weil soziale Gerechtigkeit verbannt wurde. Und die PIRATEN legen zu, weil demokratische Chancen der digitalen Revolution vermachtet werden. Die Ignoranz der Großen begĂŒnstigt den Aufwind der Kleinen. Ich verstehe nicht, warum Herzog Aufbruch bremsen will, um Ignoranz zu stĂ€rken. Der offensichtlichen Krise der Demokratie muss man politisch begegnen, nicht administrativ. ‚Mehr Demokratie wagen’, nicht weniger – das ist ĂŒberfĂ€llig.“

Fiskalpakt

12. Mai 2012  Allgemein
Dietmar Bartsch

Auch ein paar Wachstumsgirlanden machen aus dem Fiskalpakt kein
Zukunftsprojekt "Die SPD tÀuscht wieder einmal links an, wÀhrend sie
offensichtlich vorhat, rechts abzubiegen. Auch ein paar Wachstums-
girlanden Àndern weder etwas an der Verfassungswidrigkeit noch an
der verheerenden ökonomischen und sozialen Wirkung des Fiskalpaktes",
kritisiert der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE,
Dietmar Bartsch, die offenkundigen PlÀne der SPD, dem Fiskalpakt im
Kern unverÀndert und lediglich um vorgeblich wachstumsfördernde
Maßnahmen ergĂ€nzt die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zu
verschaffen. "Es geht nicht darum, sich die Zustimmung zum
FiskalpaktfĂŒr ein imaginĂ€res Wachstumsversprechen abkaufen zu lassen.
Nein, ver.di-Chef Bsirske hat Recht: der Fiskalpakt muss abgelehnt
und grundlegend neu verhandelt werden. Er bedeutet Lohn- und Sozial-
kĂŒrzungen und bewirkt das genaue Gegenteil von Wachstum. Griechenland
Spanien und Italien zeigen, dass man dadurch in die Rezession
getrieben wird. Wer Wachstum will, muss den Fiskalpakt stoppen. "
Bartsch weiter:

"Mehr Wachstum und Investitionen in die Zukunft können und mĂŒssen
durch eine gerechte Besteuerung der Superreichen finanziert werden.
Mit einer MillionÀrssteuer, einem höheren Spitzensteuersatz, einer
Finanztransaktionsteuer könnten genug Milliarden eingenommen werden,
um den prozyklischen Teufelskreis von Fiskalpakt und Schuldenbremse
zu durchbrechen. Die Wahl des neuen französischen PrÀsident Francois
Hollande, der u.a. eine 75-Prozent-Reichensteuer fĂŒr Einkommen ab
einer Million Euro fordert, ist eine Chance, Europa vom KĂŒrzungs-
diktat der Bundeskanzlerin und seines AmtsvorgÀngers zu befreien.

DIE LINKE fordert einen sofortigen Stopp der KĂŒrzungspolitik. Die
Finanzierung der öffentlichen Haushalte in der Eurozone muss von den
FinanzmÀrkten entkoppelt werden. Die gesamte Finanzbranche muss end-
lich streng reguliert werden.

Mit dem Fiskalpakt gibt es keinen Ausweg aus der Euro-Krise. Er ist
kein Zukunftsprojekt, sondern der TotengrÀber der Idee eines demo-
kratischen, sozialen, freien Europas."

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Griechenland braucht eine Chance zum Aufbau

04. April 2012  Allgemein

Diether Dehm, Gregor Gysi

CFalk  / pixelio.de

CFalk / pixelio.de

Der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi, hat zusammen mit Diether Dehm, europapolitischer Sprecher der Fraktion, vom 2.4. bis 4.4 auf Einladung der linken griechischen Bewegung Syriza Griechenland besucht und zahlreiche politische GesprĂ€che gefĂŒhrt. Er wurde unter anderem von StaatsprĂ€sident Karolos Papoulias, ParlamentsprĂ€sident Philiippos Petsalnikos, Außenminister Stavros Dimas, Finanzminister Philppos Sahinidis und dem ReprĂ€sentanten des IWF in Griechenland Bob Traa empfangen. AusfĂŒhrliche GesprĂ€chen fanden mit fĂŒhrenden Vertretern von Syriza, der Demokratischen Linken Dimar, der sozialdemokratischen Pasok und der konservativen Nea Demokratia statt.

SĂ€mtliche GesprĂ€chspartner wĂŒrdigten die solidarische Haltung der Linken zur griechischen Bevölkerung. In den GesprĂ€chen wurde deutlich, dass alle politischen KrĂ€fte in Griechenland die gegenwĂ€rtige Situation bedauern, die Ursachen aber unterschiedlich interpretieren. Ein Teil der GesprĂ€chspartner sah keine Möglichkeit, dem Druck aus Europa zur Senkung der Löhne und Renten sowie zur Entlassung von BeschĂ€ftigten zu widerstehen, wĂ€hrend der andere Teil die Notwendigkeit des Nachgebens energisch bestritt.

Gerd Altmann  / pixelio.de

Gerd Altmann / pixelio.de

Gregor Gysi machte deutlich, dass „die Macht der Banken zu groß ist und Griechenland Aufbau und nicht Abbau benötige. Nur dann kann es Steuereinnahmen geben, die Griechenland voranbringen und es ihm ermöglichen die Darlehen zurĂŒckzuzahlen.“ Er setzte sich fĂŒr eine europaweite MillionĂ€rssteuer ein und dafĂŒr auch und gerade in Griechenland Steuerhinterziehungen wirksam zu bekĂ€mpfen. Gregor Gysi trat fĂŒr den Erhalt des Euro auch in Griechenland ein. Der IWF-ReprĂ€sentant erklĂ€rte, dass sich in Griechenland nur die Reichen einen Austritt aus dem Euro wĂŒnschen, weil sie ihr Vermögen in anderen LĂ€ndern gesichert haben und Griechenland dann billig aufkaufen können.

Die GesprÀchspartner registrierten aufmerksam, dass es auch in Deutschland unterschiedliche Haltungen zur EU, zum Euro und zu Griechenland gibt. Der StaatsprÀsident, der ParlamentsprÀsident und beide Minister gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass es neben eigenen Anstrengungen des Landes baldmöglichst ein europÀischen Programm zum Aufbau Griechenlands aufgelegt wird.