Michael Schlecht
Bis zuletzt hat sich die spanische Regierung gestrÀubt: Zur Sanierung der Banken musste sie jetzt europÀische Hilfen annehmen.
Schon seit Jahren steckt der spanische Staat mit einem eigenen Rettungsfonds Milliarden in die maroden Banken. Sie haben auf Teufel komm raus immer mehr und immer leichtfertiger Wohnungen und HÀuser finanziert. Bis 2007 war das ein BombengeschÀft, der Immobilienmarkt boomte. Und dann platzte die Blase.
Halbfertige und leer stehende HÀuser können allerorten besichtigt werden. Die Immobilienpreise sind seitdem um nahezu 20 Prozent gefallen. Und die spanischen Banken sitzen auf Immobilienkrediten von mehr als einer Billion Euro. Viele sind faul und mussten bereits abgeschrieben werden.
Die Immobilienblase wurde auch von profitgierigen Bankern aus Deutschland genÀhrt. Die Deutsche Bank hatte Ende MÀrz noch knapp 30 Milliarden an spanische Schuldner verliehen. Die Commerzbank ist mit 14 Milliarden Euro dabei, mindestens vier Milliarden gingen in gewerbliche Immobilienkredite.
Bislang hat der spanische Staat die einsturzgefĂ€hrdeten Banken mit Geldspritzen am Leben gehalten. Aber jetzt tun sich immer gröĂere Löcher auf, die nicht mehr allein zugeschĂŒttet werden können. Alleine fĂŒr das viertgröĂte Institut Bankia sind weitere 19 Milliarden Euro notwendig, um den Zusammenbruch zu verhindern.
Die EurolĂ€nder wollen jetzt bis zu 100 Milliarden bereitstellen, um den spanischen Banken wieder auf die Beine zu helfen. Dabei weiĂ niemand so genau, wie groĂ das finanzielle Loch eigentlich ist. Der Internationale WĂ€hrungsfonds geht in SchĂ€tzungen von 40 bis 80 Milliarden aus. Andere liegen weitaus höher. Die spanische Zentralbank hĂ€lt Immobilienkredite ĂŒber 180 Milliarden fĂŒr wackelig. Der internationale Bankenverband schĂ€tzt sogar, dass letztlich rund 260 (!) Milliarden Euro zur Rettung der Banken notwendig werden. Vieles hĂ€ngt davon ab, wie stark die Immobilienpreise weiter abstĂŒrzen. Experten gehen von noch einmal 20 Prozent aus.
Selbst mit den 100 Milliarden der EurolÀnder ist noch nichts wirklich gerettet!
Wegen der Kosten fĂŒr die bisherige spanische Bankenrettung hat die ehemalige sozialistische Regierung bereits drastische KĂŒrzungsprogramme ĂŒber 50 Milliarden aufgelegt. Die konservative Regierung setzte diesen Kurs verschĂ€rft fort und sattelt ein neues KĂŒrzungspaket von knapp 30 Milliarden Euro obendrauf. Allein zehn Milliarden sollen bei Bildung und Gesundheit gekĂŒrzt werden. Das Volk wird zur Kasse gebeten.
Die Arbeitslosigkeit ist die höchste in der EuropÀischen Union. Jeder vierte Spanier hat keinen Job, etwa jeder zweite (!) Jugendliche ist arbeitslos.
Wer ernsthaft gegen wirtschaftlichen Niedergang und Verelendung des Volkes vorgehen will, muss die Spekulationsmaschine abschalten. Die EZB muss die Euro-Staaten, also auch Spanien direkt mit Krediten versorgen, damit die Zinsbelastung auf ein Prozent sinkt. Die Staatsschulden sind durch eine europaweite Vermögensabgabe fĂŒr MillionĂ€re drastisch zu senken. Und zwar fĂŒr alle LĂ€nder.
Das wichtigste: Private Banken mĂŒssen vergesellschaftet werden. Die Entmachtung der profit- und bonusgierigen Banker ist die Voraussetzung, damit sie ihren politischen Einfluss verlieren. Dann kann das Casino trockengelegt werden: Die gesamte Finanzbranche muss streng reguliert und auf das unmittelbare KreditgeschĂ€ft begrenzt werden.



