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Bankenrettung auf Spanisch

13. Juni 2012  Allgemein

Michael Schlecht

Bis zuletzt hat sich die spanische Regierung gestrÀubt: Zur Sanierung der Banken musste sie jetzt europÀische Hilfen annehmen.

Schon seit Jahren steckt der spanische Staat mit einem eigenen Rettungsfonds Milliarden in die maroden Banken. Sie haben auf Teufel komm raus immer mehr und immer leichtfertiger Wohnungen und HÀuser finanziert. Bis 2007 war das ein BombengeschÀft, der Immobilienmarkt boomte. Und dann platzte die Blase.

	CFalk  / pixelio.de

CFalk / pixelio.de

Halbfertige und leer stehende HÀuser können allerorten besichtigt werden. Die Immobilienpreise sind seitdem um nahezu 20 Prozent gefallen. Und die spanischen Banken sitzen auf Immobilienkrediten von mehr als einer Billion Euro. Viele sind faul und mussten bereits abgeschrieben werden.

Die Immobilienblase wurde auch von profitgierigen Bankern aus Deutschland genÀhrt. Die Deutsche Bank hatte Ende MÀrz noch knapp 30 Milliarden an spanische Schuldner verliehen. Die Commerzbank ist mit 14 Milliarden Euro dabei, mindestens vier Milliarden gingen in gewerbliche Immobilienkredite.

Bislang hat der spanische Staat die einsturzgefĂ€hrdeten Banken mit Geldspritzen am Leben gehalten. Aber jetzt tun sich immer grĂ¶ĂŸere Löcher auf, die nicht mehr allein zugeschĂŒttet werden können. Alleine fĂŒr das viertgrĂ¶ĂŸte Institut Bankia sind weitere 19 Milliarden Euro notwendig, um den Zusammenbruch zu verhindern.

La-Liana  / pixelio.de

La-Liana / pixelio.de

Die EurolĂ€nder wollen jetzt bis zu 100 Milliarden bereitstellen, um den spanischen Banken wieder auf die Beine zu helfen. Dabei weiß niemand so genau, wie groß das finanzielle Loch eigentlich ist. Der Internationale WĂ€hrungsfonds geht in SchĂ€tzungen von 40 bis 80 Milliarden aus. Andere liegen weitaus höher. Die spanische Zentralbank hĂ€lt Immobilienkredite ĂŒber 180 Milliarden fĂŒr wackelig. Der internationale Bankenverband schĂ€tzt sogar, dass letztlich rund 260 (!) Milliarden Euro zur Rettung der Banken notwendig werden. Vieles hĂ€ngt davon ab, wie stark die Immobilienpreise weiter abstĂŒrzen. Experten gehen von noch einmal 20 Prozent aus.

Selbst mit den 100 Milliarden der EurolÀnder ist noch nichts wirklich gerettet!

Wegen der Kosten fĂŒr die bisherige spanische Bankenrettung hat die ehemalige sozialistische Regierung bereits drastische KĂŒrzungsprogramme ĂŒber 50 Milliarden aufgelegt. Die konservative Regierung setzte diesen Kurs verschĂ€rft fort und sattelt ein neues KĂŒrzungspaket von knapp 30 Milliarden Euro obendrauf. Allein zehn Milliarden sollen bei Bildung und Gesundheit gekĂŒrzt werden. Das Volk wird zur Kasse gebeten.

Die Arbeitslosigkeit ist die höchste in der EuropÀischen Union. Jeder vierte Spanier hat keinen Job, etwa jeder zweite (!) Jugendliche ist arbeitslos.

Wer ernsthaft gegen wirtschaftlichen Niedergang und Verelendung des Volkes vorgehen will, muss die Spekulationsmaschine abschalten. Die EZB muss die Euro-Staaten, also auch Spanien direkt mit Krediten versorgen, damit die Zinsbelastung auf ein Prozent sinkt. Die Staatsschulden sind durch eine europaweite Vermögensabgabe fĂŒr MillionĂ€re drastisch zu senken. Und zwar fĂŒr alle LĂ€nder.

Das wichtigste: Private Banken mĂŒssen vergesellschaftet werden. Die Entmachtung der profit- und bonusgierigen Banker ist die Voraussetzung, damit sie ihren politischen Einfluss verlieren. Dann kann das Casino trockengelegt werden: Die gesamte Finanzbranche muss streng reguliert und auf das unmittelbare KreditgeschĂ€ft begrenzt werden.

Dreisteste Schadenersatzforderungen der Atomwirtschaft

13. Juni 2012  Allgemein
 Dorothée Menzner

„Viel ernster als die Frage, welcher Schaden den Stromkonzernen durch den Atomausstieg entstand, ist die Frage, welcher Schaden der Bevölkerung und den nachfolgenden Generationen durch die Nutzung der Atomkraft entstanden ist und noch entstehen wird. Die Schadenersatzforderungen der deutschen Atomwirtschaft sind an Dreistigkeit kaum zu ĂŒberbieten“, erklĂ€rt die energiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, DorothĂ©e Menzner, zu den EntschĂ€digungsforderungen der AKW-Betreiber. Menzner weiter:

Markus Lorch  / pixelio.de

Markus Lorch / pixelio.de

„Ob die Energiekonzerne durch die zwangsweise Stilllegung von Atomkraftwerken wirklich 10 bis 15 Milliarden Euro verloren haben, ist sehr fraglich. Fakt ist hingegen, dass die Atomwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten mit ĂŒber 200 Milliarden Euro durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler subventioniert wurde. Die Kosten fĂŒr die AtommĂŒllverwahrung sind durch die steuerfreien RĂŒckstellungen fĂŒr die sogenannte Entsorgung nur anteilig durch die Konzerne gedeckt, auch hier werden die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger den grĂ¶ĂŸten Teil ĂŒbernehmen mĂŒssen. Im Falle eines GAUs zahlt die Gesellschaft fĂŒr die SchĂ€den, wie man es in Japan nach dem GAU in Fukushima nun erleben kann. Der Betreiber TEPCO kommt nur fĂŒr einen winzigen Bruchteil der entstandenen SchĂ€den auf.

Keine Versicherung der Welt versichert Atomkraftwerke. Kosten, SchĂ€den und MĂŒll der Atomkraft werden in der Regel vergesellschaftet, die gigantischen Profite streichen die Konzerne ein. Zuletzt konnten die vier Energiekonzerne in Deutschland jĂ€hrlich zweistellige MilliardenbetrĂ€ge mit ihren AKW verdienen – zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher. All das muss in der aktuellen Diskussion berĂŒcksichtigt werden. Es ist höchste Zeit, dem mafiösen GeschĂ€ftsgebaren der Energiekonzerne Einhalt zu gebieten und das Risiko Atomkraft endgĂŒltig abzuschalten – und zwar weitaus schneller als bis 2021.“

Minister Niebel, ab in die Reserve!

12. Juni 2012  Allgemein

„Das Fass war ohnehin schon voll, jetzt quillt es ĂŒber. Minister Niebel sollte umgehend die politischen Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehen und seinen RĂŒcktritt erklĂ€ren. Er hat nicht nur sich und sein Amt durch seine jĂŒngste ‚Fliegender-Teppich- AffĂ€re‘ der LĂ€cherlichkeit preisgegeben, sondern damit den endgĂŒltigen Beweis geliefert, dass er von guter RegierungsfĂŒhrung weit entfernt ist“, erklĂ€rt Niema
Movassat, Entwicklungspolitiker der Fraktion DIE LINKE, zur ‚Fliegender-Teppich-AffĂ€re‘ von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP). Movassat weiter:

	Rolf Handke  / pixelio.de

Rolf Handke / pixelio.de

„Das Schlimmste ist, dass Niebel nicht mal einen Deut an Unrechtsbewusstsein an den Tag legt und meint, die Sache sei mit der Nachverzollung seines Teppichs erledigt. Jeder BĂŒrger muss fĂŒr den
Transport seiner privaten Mitbringsel selbst aufkommen. Ein Geheimdienst-Jet und darĂŒber hinaus ein Wagen zur bequemen Abholung am Flughafen stehen ihm auch nicht zur VerfĂŒgung. Niebel hat seine Stellung als Minister zum eigenen Vorteil missbraucht.Dieses Verhalten hat System und ist offensichtlich kein peinlicher Ausrutscher. So viel Vetternwirtschaft
haben wir selten in einem Ministerium erlebt. Jede Entwicklungsfachkraft muss strenge Auswahlprozesse durchlaufen, fĂŒr einen hochdotierten FĂŒhrungsposten im Niebel-Ministerium reicht aber schon das FDP-Parteibuch aus. Obendrein hat Niebel die deutsche Entwicklungspolitik zum BĂŒttel der Privatwirtschaft degradiert. DIE LINKE fordert: Dieses Trauerspiel, welches dem Ansehen Deutschlands in der Welt schweren Schaden zufĂŒgt, muss ein Ende haben. Minister Niebel, nehmen Sie Ihr
BundeswehrkĂ€ppi und versetzen sie sich selbst in die Reserve, ehe es die Kanzlerin tut.“